Wärmepumpe 2026: Lohnt sie sich noch – oder doch lieber Gas?
Seit dem 10. Juli 2026 ist das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) durch Bundestag und Bundesrat. Die wichtigste Schlagzeile: Gasheizungen sind wieder erlaubt – die 65-Prozent-Regel fällt. Viele Hausbesitzer fragen sich jetzt: Macht eine Wärmepumpe überhaupt noch Sinn?
Das Wichtigste vorab (Stand 14. Juli 2026)
Das GModG ist am 10. Juli 2026 durch Bundesrat beschlossen worden. Ab dem 21. Juli 2026 gelten neue Förderbedingungen für Wärmepumpen – der Förderdeckel sinkt von 30.000 auf 28.000 Euro, der Einkommensbonus wird neu gestaffelt. Die 70 % Förderung bleibt für einkommensschwache Haushalte weiterhin möglich.
Was hat sich konkret geändert?
Das GModG dreht drei Dinge:
65-Prozent-Regel fällt: Neue Heizungen müssen nicht mehr zu 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Du kannst ab sofort wieder eine neue Gasheizung einbauen, ohne Einschränkungen.
Bio-Treppe kommt: Neue Gas- und Ölheizungen müssen ab 2029 schrittweise steigende Anteile an Biogas oder anderen klimaneutralen Brennstoffen nutzen – bis 60 % im Jahr 2040, 100 % bis 2045.
Förderung wird einkommensabhängiger: Wer weniger verdient, bekommt künftig mehr. Der Deckel sinkt leicht. Ab dem 21. Juli gilt: Förderdeckel 28.000 € statt 30.000 €, danach sinkt er alle 6 Monate um 750 €.
Was bedeutet "Bio-Treppe" in der Praxis?
Das ist der entscheidende Punkt, den viele bei der Nachricht "Gasheizung wieder erlaubt" übersehen. Eine neue Gasheizung, die du heute einbaust, hat eine Lebensdauer von 15–20 Jahren. Und in dieser Zeit tritt folgendes ein:
Ab 2029: mindestens 10 % Bioanteil – Biogas ist ca. 3–5× teurer als normales Erdgas
Ab 2030: mindestens 15 % Bioanteil – Betriebskosten steigen weiter
Ab 2035: mindestens 30 % Bioanteil – mehrere hundert Euro Mehrkosten pro Jahr
Ab 2040: mindestens 60 % Bioanteil – Gasheizung wird sehr teuer im Betrieb
Ab 2045: 100 % klimaneutrale Brennstoffe Pflicht – fossiles Gas verboten
Hinzu kommt der CO₂-Preis: Er steigt unabhängig vom GModG weiter und verteuert jede Kilowattstunde fossiles Gas zusätzlich.
Der ehrliche Kostenvergleich
Einfamilienhaus, 150 m², Wärmebedarf ca. 18.000 kWh pro Jahr. Ich zeige dir beide Optionen nebeneinander – nicht für heute, sondern über 20 Jahre gerechnet.
Neue Gasheizung: Anschaffung ca. 8.000 €, keine Förderung. Heizkosten 2026 ca. 1.350 €/Jahr – steigen durch Bio-Treppe und CO₂-Preis bis 2035 auf ca. 2.100 €/Jahr. Gesamtkosten über 20 Jahre: ca. 33.000 €.
Wärmepumpe: Anschaffung ca. 22.000 €, abzüglich 30 % BAFA-Förderung bleiben ca. 15.400 € Eigenanteil. Heizkosten ca. 900–1.100 €/Jahr – stabil, weil unabhängig von Gas- und Biogaspreisen. Gesamtkosten über 20 Jahre: ca. 33.000 €.
Die Gesamtkosten über 20 Jahre liegen grob auf ähnlichem Niveau – aber mit einem entscheidenden Unterschied: Die Wärmepumpe wird mit der Zeit günstiger (sinkende Strompreise durch mehr Erneuerbare, stabiler Strombezug), die Gasheizung wird teurer (Bio-Treppe, CO₂-Preis). Und wer Solar dazukombiniert, heizt tagsüber komplett mit eigenem Strom.
Wärmepumpe + Solar = beste Kombination
Wer eine Wärmepumpe mit einer Solaranlage kombiniert, kann tagsüber einen großen Teil der benötigten Wärmeenergie mit selbst erzeugtem Strom erzeugen. Das senkt die Betriebskosten der Wärmepumpe nochmals erheblich – und macht dich komplett unabhängig von Gas- und Strompreisen.
Was ändert sich bei der Förderung ab 21. Juli 2026?
Das ist wichtig wenn du gerade eine Wärmepumpe planst:
Förderdeckel sinkt: Bisher waren 30.000 € förderfähige Kosten möglich. Ab 21. Juli 2026 sind es 28.000 € – danach sinkt der Deckel alle 6 Monate um weitere 750 €.
Einkommensbonus wird neu gestaffelt: Haushaltseinkommen unter 30.000 € → 40 % Bonus. Bis 40.000 € → 30 % Bonus. Bis 50.000 € → 10 % Bonus.
Kinderzuschlag neu: Pro Kind reduziert sich das für die Berechnung relevante Haushaltseinkommen einmalig um 10.000 €.
Basisförderung bleibt bei 30 % – kombinierbar mit Einkommens- und Geschwindigkeitsbonus bis maximal 70 %.
Wichtiger Hinweis zur Förderung
Zwischen dem 9. und 20. Juli 2026 gab es einen vorübergehenden Förderstopp während der technischen Umstellungsphase bei der KfW. Ab dem 21. Juli sind Förderanträge wieder möglich – unter den neuen Konditionen. Wer jetzt plant, sollte also ab diesem Datum direkt handeln.
Für wen lohnt sich die Wärmepumpe – und für wen nicht?
Eher geeignet wenn:
Dein Haus ist gut oder mittelgut gedämmt (Baujahr 1990 oder jünger)
Du Fußbodenheizung hast oder planst
Du eine Solaranlage hast oder kombinieren möchtest
Du langfristig im Haus wohnst (mindestens 10–15 Jahre)
Du von Gaspreisschwankungen unabhängig werden willst
Eher nicht geeignet wenn:
Dein Haus ist schlecht gedämmt (Altbau vor 1970, unrenoviert) und eine Sanierung ist nicht geplant
Du nur alte Heizkörper hast und keine Fußbodenheizung
Du den Wärmebedarf unter 10.000 kWh/Jahr hast
Du in den nächsten 5 Jahren verkaufen möchtest
Was solltest du jetzt konkret tun?
Wenn deine Heizung noch läuft: Kein Handlungsbedarf, aber guter Zeitpunkt um dich zu informieren. Die Förderung ist noch attraktiv, sinkt aber schrittweise. Ein kostenloses Angebot holen und die Zahlen kennen schadet nie.
Wenn deine Heizung kaputt ist oder über 15 Jahre alt: Jetzt ist der richtige Moment. Die neuen Förderbedingungen ab 21. Juli gelten – Antrag stellen, bevor der Deckel weiter sinkt.
Wenn du unsicher bist: Lass dir beides durchrechnen – Wärmepumpe und Gas. Dann siehst du schwarz auf weiß welche Option in deiner konkreten Situation besser abschneidet.